Schwere, geschwollene Beine am Abend kennen viele, besonders nach langem Sitzen oder Stehen. Zwei Behandlungen werden in diesem Zusammenhang oft genannt: die Pressotherapie und die manuelle Lymphdrainage. Beide arbeiten mit dem Lymphsystem, das überschüssige Flüssigkeit aus dem Gewebe abtransportiert. Der Weg dorthin ist aber ein anderer.

Wichtig zur Einordnung: Die manuelle Lymphdrainage ist auch eine anerkannte medizinische Therapieform, etwa bei Lymphödemen. Im Wellness- und Kosmetikbereich wird sie ebenso wie die Pressotherapie zur Entstauung und Entspannung eingesetzt. Die folgende Gegenüberstellung bezieht sich auf den kosmetischen Kontext.

Manuelle Lymphdrainage nach Vodder

Die manuelle Lymphdrainage, häufig nach der Methode von Vodder, ist eine sanfte Handmassage. Mit kreisenden, pumpenden Bewegungen und nur leichtem Druck wird die Lymphflüssigkeit in Richtung der Lymphknoten geschoben. Die Griffe folgen dem Verlauf der Lymphbahnen und sind bewusst zart, denn das oberflächliche Lymphsystem reagiert auf feinen Druck.

Die Behandlung ist sehr entspannend und wird individuell an den Körper angepasst. Im medizinischen Bereich gehört sie zur sogenannten komplexen Entstauungstherapie und wird von speziell ausgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten durchgeführt.

Pressotherapie mit Druckmanschetten

Die Pressotherapie arbeitet apparativ. Der Körper wird in Manschetten oder eine Art Hose gehüllt, die sich in Kammern aufteilen. Diese füllen sich nacheinander mit Luft und üben so einen wandernden Druck von unten nach oben aus. Das ahmt das Prinzip der Lymphdrainage maschinell nach und entstaut das Gewebe.

  • Lymphdrainage: manuell, individuell, sehr sanfter Druck
  • Pressotherapie: apparativ, gleichmäßiger Wechseldruck per Luftkammern
  • Beide fördern den Abtransport von Gewebeflüssigkeit
  • Die Lymphdrainage kann gezielter auf einzelne Regionen eingehen

Gegenüberstellung

MerkmalLymphdrainagePressotherapie
Durchführungvon Handper Gerät
Anpassungsehr individuellstandardisiert
Dauer30 bis 60 Min.20 bis 45 Min.
Kosten40 bis 80 Euro30 bis 70 Euro

Kontraindikationen ernst nehmen

Beide Verfahren sind nicht für jeden geeignet. Bei einigen Vorerkrankungen sollte vorab ärztlich geklärt werden, ob eine Entstauungsbehandlung sinnvoll ist. Dazu zählen unter anderem:

  1. Akute tiefe Venenthrombose
  2. Dekompensierte Herzinsuffizienz
  3. Akute Infektionen oder Entzündungen im Behandlungsgebiet
  4. Unbehandelte bösartige Erkrankungen
  5. Akute Hautinfektionen oder offene Wunden im betroffenen Bereich

Diese Liste ist nicht vollständig und ersetzt keine Beratung. Wer unsicher ist oder eine relevante Vorerkrankung hat, bespricht die Behandlung vorher mit der Hausärztin oder dem Hausarzt. Seriöse Studios fragen den Gesundheitszustand ohnehin ab.

Wie eine Behandlung typischerweise abläuft

Wer zum ersten Mal eine Entstauung bucht, weiß oft nicht, was ihn erwartet. Bei der manuellen Lymphdrainage liegt man bequem auf einer Liege, während die Therapeutin mit ruhigen, kreisenden Bewegungen arbeitet. Der Druck ist so sanft, dass viele dabei fast einschlafen. Es wird kein Öl benötigt, da die Griffe auf der Haut bleiben und sie nur leicht dehnen.

Bei der Pressotherapie zieht man eine Art Hose oder Manschetten an und entspannt sich, während sich die Luftkammern rhythmisch füllen und wieder entleeren. Die Behandlung läuft weitgehend automatisch, die Intensität lässt sich am Gerät einstellen. Beide Verfahren sind nicht schmerzhaft und hinterlassen in der Regel keine sichtbaren Spuren.

Wie nachhaltig ist der Effekt

Eine einzelne Sitzung entstaut spürbar, hält aber nicht ewig. Der Körper lagert die Flüssigkeit über die Zeit wieder ein, wenn die Ursache bestehen bleibt, etwa langes Sitzen oder Stehen im Beruf. Sinnvoll ist daher, die Behandlung mit Alltagsmaßnahmen zu kombinieren.

  • Beine zwischendurch hochlegen, besonders nach langen Tagen
  • Ausreichend Bewegung, da die Muskelpumpe den Lymphfluss unterstützt
  • Bei Bedarf Kompressionsstrümpfe, nach ärztlicher Empfehlung
  • Genug trinken, auch wenn das paradox klingt

So bleibt der angenehme Effekt länger erhalten, statt nach wenigen Tagen wieder zu verschwinden.

Medizinische und kosmetische Anwendung trennen

Ein häufiges Missverständnis ist, jede Lymphdrainage sei automatisch eine Wellnessleistung. Das stimmt nicht. Wird die manuelle Lymphdrainage ärztlich verordnet, etwa nach einer Operation, bei einem Lymphödem oder nach bestimmten Verletzungen, ist sie eine Heilmittelbehandlung mit klaren fachlichen Vorgaben. Sie wird dann von Therapeutinnen und Therapeuten mit spezieller Ausbildung durchgeführt und folgt einem festen Plan.

Im kosmetischen Studio steht dagegen das allgemeine Wohlbefinden im Vordergrund, ohne medizinischen Anspruch. Beide Anwendungen können wertvoll sein, sollten aber nicht verwechselt werden. Wer ein konkretes medizinisches Anliegen hat, etwa anhaltende, einseitige Schwellungen, gehört in ärztliche Abklärung. Dort wird entschieden, ob und welche Form der Entstauung angezeigt ist und ob ergänzend Kompression nötig wird.

Wann was passt

Geht es um gezielte, individuell angepasste Arbeit oder eine medizinisch begleitete Entstauung, ist die manuelle Lymphdrainage die erste Wahl. Wer eine gleichmäßige, entspannende Entstauung der Beine zur allgemeinen Erfrischung sucht, ist mit der Pressotherapie gut bedient. Häufig werden beide Ansätze auch kombiniert, etwa im Rahmen größerer Körperbehandlungen gegen Cellulite oder begleitend zu klassischen Massagen, wie sie im Vergleich von Hot Stone, Aromaöl und Sportmassage beschrieben sind.

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